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Wie man Geschichten in Gang bringt

1. April 2015 | Plotten, Schreibtipps | 1 comments | Author:

Kennt ihr das? Ihr habt den inneren Drang, zu schreiben, setzt euch frohgemut an den Rechner oder zückt das Notizbuch, und dann … kommt nichts. Keine Idee. Nada.

Wenn einem das passiert (und es passiert jedem), liegt es meiner Meinung nach daran, dass das Unterbewusstsein nicht darauf eingestimmt ist, Ideen zu produzieren. Ideen passieren einem, wenn das Unterbewusstsein zwei oder mehrere Dinge miteinander verknüpft. Um für diesen Prozess empfänglich zu werden, muss man es anregen. Man könnte auch sagen, man schmiert mein Unterbewusstsein, damit es in Gang kommt.

Ich stelle euch die Methode vor, die bei mir am besten funktioniert: Zuerst füttere ich mein Gehirn mit Ideensplittern, die ich ständig und überall sammle: Kleine Zettel, auf welchen ich mir alles notiere, was mir im Alltag begegnet und irgendwie mein Interesse weckt: Dialogfetzen, Zeitungsmeldungen, eigene Beobachtungen, selbst erlebte Situationen. Diese Zettel sammle ich in einer hübschen Kiste, und wenn mir nichts einfällt, lege ich alle Zettel vor mir aus und kombiniere sie paarweise. Dabei überlege ich nicht bewusst, welche Kombination eine gute Geschichte ergeben könnte, sondern vertraue ganz auf mein Unterbewusstsein. Meistens springen mich zusammengehörende Zettel geradezu an.

Machen wir die Probe aufs Exempel.

Aus meinem Zettelhaufen fische ich diese beiden heraus:

  1. Ein verlassenes Wohngebiet, in dessen Ruinen sich die Außenseiter der Gesellschaft ansiedeln
  2. Menschen begehen Morde im Schlaf.

Diese beiden Sätze rasten ein und erzeugen sie ein inneres Kitzeln, das mich dazu bringt, sie weiter in die Tiefe zu verfolgen. Da ich immer noch keine Ahnung davon habe, was in der Geschichte eigentlich passieren wird, überlasse ich die Arbeit wieder meinem Unterbewusstsein und schreibe alles, was mir zu obigen Punkten einfällt, auf ein Blatt.

Die Listen-Methode stammt von Ray Bradbury, einem der besten Erzähler überhaupt, der ebenfalls überzeugt davon war, dass wir mehr wissen als wir wissen. Seine großartigen, originellen Geschichten entstanden aus Listen scheinbar zusammenhangloser Wörter.

Meine Liste sieht so aus:

Ruinen. Abfall. Rauch. Schlafwandler. Krallen. Zaun. Schwarz. Zähne. Licht. Fenster. Treppe. Augen. Blindheit. Stimmen. Rauschen. Flügel. Keller. Kind. Mutter. Hund. Einsamkeit. Trauer. Hunger. Träume. Krankheit, Gier.

Diese Wortkette verlängere ich immer weiter, bis ich anfange, eine Ahnung zu bekommen, worum es in meiner Geschichte gehen könnte. Dann übergebe ich das, was mein Unterbewusstsein produziert hat, an meinen Intellekt – und die bewusste Ausarbeitung der Handlung und Figuren kann beginnen.

Viel Vergnügen beim Schmieren eures Unterbewusstseins!

Mascha

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1 COMMENTS


  • charlie 3. April 2015 at 17:20 | Antworten

    Das klingt so faszinierend und klug und ein bisschen beneidenswert.

    Alles Liebe von Charlie



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