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Wie man eine Szene rettet

7. November 2017 | Plotten, Schreibtipps | 0 comments | Author:

Kennen wir doch alle: Wir haben eine Szene geplant, die für den Roman notwendig ist, doch jetzt, da es ans Schreiben geht, will sie einfach nicht gelingen. Sie sträubt sich wie ein Hund, der nicht in die Badewanne will, versucht, in alle Richtungen zu entschlüpfen und man kriegt sie einfach nicht richtig zu packen.

 

Mögliche Gründe dafür sind:

1. Du weißt nicht genau, worum es in der Szene geht.

Abhilfe: Denk noch einmal genau darüber nach, was du mit dieser Szene zeigen willst und formuliere es in ein bis zwei Sätzen.

Beispiel: Beim Familien-Weihnachtsessen soll herauskommen, dass die minderjährige Tochter des Hauses schwanger ist.

 

2. Du weißt nicht genau, wie du das, was du zeigen willst, in Handlung übertragen kannst.

Abhilfe: Überlege dir mit Hilfe der in Punkt 1. formulierten Sätze mindestens zwei Möglichkeiten, auf welche Art du das in der Szene umsetzen kannst.

Beispiel: A) Die Schwester hat im gemeinsamen Badezimmer den positiven Schwangerschaftstest gefunden und posaunt die Neuigkeit aus Boshaftigkeit heraus. B) Die demente Großmutter hat einen hellen Moment und bemerkt die körperlichen Veränderungen an ihrer Enkelin. Ganz ohne böse Absicht fragt sie in die Runde, ob alle sich schon auf das Baby freuen.

 

3. Du näherst dich der Szene aus der falschen Perspektive

Abhilfe: Probiere aus, was geschieht, wenn du die Perspektive einer anderen Figur einnimmst. Wird die Szene dadurch interessanter?

Beispiel: Wie schreibt sich die Szene aus Sicht der eifersüchtige Schwester? Wie aus der Perspektive der verwirrten Großmutter?


Das Beispiel mit dem Familienessen stammt aus meinem Roman „Das verschlossene Zimmer“. Ich wusste zwar, was passieren sollte, war mir aber unschlüssig über das „Wie?“ Die ersten Entwürfe der Szene waren zäh und langweilig. Ich habe mich dafür entschieden, die Großmutter die Schwangerschaft ihrer Enkelin enthüllen zu lassen. Dafür hatte ich zwei Gründe: Die beiden Schwestern hatten ohnehin eine schwierige Beziehung miteinander und es erschien mir zu naheliegend, hätte die eifersüchtige Schwester das Geheimnis preisgegeben. Statt dessen sollte sie ebenso überrascht sein wie der Rest der Familie. Zum Zweiten stellte die Großmutter im ersten Teil des Romans eine strenge Autoritätsperson dar. In dieser Szene dagegen fällt sie, da sie inzwischen dement ist, kein Urteil über ihre Enkelin. Mir gefiel außerdem der Gedanke, ihr noch einen letzten großen Auftritt zu geben, bevor sie starb und damit aus der Geschichte verschwand.




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