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Wie geht das mit der Normseite? Teil 2

3. März 2017 | Schreibtipps, Selfpublisher | 0 comments | Author:

In Teil 1 dieser Reihe ging es darum, dass die Normseite heute weitgehend nur noch als Berechnungs- bzw. Vergleichsgröße benötigt wird. Was aber, wenn man ein Manuskript dann doch einmal in Normseiten formatieren soll? Da hilft hoffentlich Teil 2 der Reihe.

 

Die Normseite als formale Grundlage zur Textbearbeitung

Zur exakten Berechnung des Honorars ist es, wie in Teil 1 erläutert, nur notwendig, die Anzahl der Anschläge eines Manuskripts zu kennen. Da die Berechnung der Normseiten aus diesem Wert nicht weiter problematisch ist, benötigt man auch keine entsprechende Formatierung, um den Umfang eines Werkes in vergleichbarer Weise abschätzen zu können.

Dennoch werden Autor*innen, die ihr Manuskript an Verlage oder Agenturen schicken oder sich damit an einer Ausschreibung beteiligen, oft auf die Anforderung stoßen, das Manuskript in Normseiten zu formatieren. Denn natürlich ist es für alle Beteiligten noch einfacher, wenn Sie die Anzahl der Normseiten nicht erst berechnen müssen, sondern sie anhand der Seitenzahl einfach ablesen können.

Die Normseite bietet hier aber durchaus weitere Vorteile: ein recht lockeres, übersichtliches Schriftbild, das zwar von den meisten Lesern nicht als besonders hübsch eingestuft wird, sich aber eben sehr aufgeräumt darstellt. Vor allem aber durch einen breiten Rand und weiten Zeilenabstand beste Möglichkeiten, Notizen und Korrekturen einzufügen.

 

Erstellen einer Normseite

Manche Textverarbeitung, besonders Software, die direkt auf Autor*innen ausgerichtet ist, bringt die Normseite als Dokumentvorlage gleich mit. Ansonsten ist die einfachste Möglichkeit, eine Normseitenvorlage zu verwenden, sie sich aus dem Internet herunterzuladen. Wenn du nicht auf die Vorlagen warten willst, die ich im Rahmen dieser Artikel baldmöglichst hier zur Verfügung stellen will, kannst du einfach für deine Textverarbeitung nach „Normseite Vorlage“ googeln, und du musst dich nur noch entscheiden, von welcher Seite du dir eine solche herunterlädst.

Und ja, du hast die Qual der Wahl, denn nicht alles an einer Normseite ist genormt, es können daher durchaus recht große Unterschiede zwischen den Vorlagen bestehen. Ganz davon abgesehen, dass nicht alles, wo Normseite draufsteht, auch tatsächlich die Kriterien einer solchen erfüllt. Und dann kann es auch noch sein, dass derjenige, dem du dein Manuskript schicken willst, bestimmte Anforderungen stellt, etwa eine bestimmte Schriftart. Da aber unterschiedliche Schriftarten auch unterschiedlich viel Raum einnehmen, passt es bei einer einfachen Änderung dieses Parameters nachher hinten und vorn nicht mehr.

Es kann also gute Gründe geben, sich die Normseite selbst zu erstellen, um etwa den eigenen Vorlieben oder denen eines Abnehmers entsprechen zu können.

Mit dem nächsten Artikel dieser Reihe soll es hier dann ganz konkret darum gehen, wie du das in den gängigsten Textverarbeitungen hinbekommen kannst, indem du dich an meiner persönlichen Variante der Normseite orientierst. So kannst du dir leicht eine Normseitenvorlage schaffen. Oder auch ein Manuskript, das du in einer anderen Formatierung geschrieben hast, fürs Versenden in Normseiten umformatieren.

Wenn du nicht so lange warten willst, hältst du dich einfach an die nun folgenden allgemeinen Hinweise, mit denen es ein Leichtes sein sollte, dir eine Normseitenvorlage ganz nach deinem Geschmack zu erschaffen.

 

Allgemeine Hinweise

Nimmt man es genau, ist das einzig Genormte an einer Normseite, dass sie besagte maximale 60 Anschläge pro Zeile bei insgesamt genau 30 Zeilen pro Seite zulässt. Denn wie beschrieben ist die eigentliche Funktion von Normseiten, anhand ihrer Zählung den Umfang eines Werkes abschätz- und vergleichbar zu machen. Es geht also nur darum, immer in etwa die gleiche Anzahl an Zeichen auf einer Seite zu verteilen.

Wie du dahinkommst, ist weitgehend dir überlassen, auch wenn sicher nicht alle möglichen Ergebnisse eine vernünftige Lösung darstellen. Immer vorausgesetzt, dass du keine genaueren Vorgaben beachten musst, kannst du mit allen Parametern experimentieren, im Wesentlichen Schriftart, Schriftgrad, Zeilenabstand und Seitenrändern.

 

Schriftart

Manche Empfehlungen schlagen beispielsweise Times New Roman für die Normseite vor, und auch in Ausschreibungen habe ich schon die Aufforderung gelesen, Normseiten mit dieser Schriftart einzusenden. Wenn es so gefordert ist, hältst du dich natürlich daran.

Das Problem ist aber, dass es sich hierbei um eine proportionale Schrift handelt. Das bedeutet, dass jeder Buchstabe nur entsprechend seiner tatsächlichen Breite Platz in der Zeile beansprucht. Daher benötigt beispielsweise das „i“ weit weniger Raum als das „m“, es passen entsprechend mehr I in eine Zeile als M. Damit kann aber der Anspruch einer Normseite nicht erfüllt werden, denn die braucht eine nichtproportionale Schriftart (wie etwa Courier, Consolas oder Letter Gothic), bei der jeder Buchstabe den gleichen Raum in der Zeile einnimmt. Es passen also bei der Normseite immer die vorgeschriebenen 60 Zeichen in die Zeile, egal ob es sich dabei um I, M oder Leerzeichen handelt.

Beachte allerdings, dass, wie weiter oben schon gesagt, der Wechsel der Schriftart in der Regel bedeutet, dass deine Vorlage die Kriterien einer Normseite nicht mehr erfüllt, weil die Schriftarten im Vergleich miteinander unterschiedlich viel Raum einnehmen. Du musst dann also nachbessern.

 

Schriftgrad

Üblicherweise stellt man den Schriftgrad auf 11 oder 12 Punkt ein. 11 Punkt strengen die Augen noch nicht allzu sehr an und ermöglichen (bzw. benötigen) breitere Ränder und/oder einen weiteren Zeilenabstand, bei 12 Punkt verbessert sich die Lesbarkeit. Kleinere Schriftgrade sollte man dem Leser über so viele Seiten eher nicht zumuten, bei größeren wird es am Seitenrand und zwischen den Zeilen eng.

Noch einmal: Je nach Schriftart fällt die optische Größe bei gleichem Schriftgrad kleiner oder größer aus.

 

Zeilenabstand

Ein ganz entscheidendes Merkmal der Normseite ist ein weiter Zeilenabstand (Abstand zwischen den Grundlinien aufeinanderfolgender Zeilen[1]). Natürlich könnte man die 30 Zeilen pro Seite auch erreichen, indem man bei normalem (einfachem) Abstand die Seitenränder oben und unten enorm vergrößert, ein eineinhalbfacher oder sogar doppelter Zeilenabstand verbessert aber erheblich die Lesbarkeit, lockert das Schriftbild auf und sorgt für Platz für die Korrekturen.

Zu viel des Guten ist aber auch nicht der beste Weg, denn die Lesbarkeit eines Textes nimmt mit größeren Zeilenabständen (Typografen sprechen vom „Lattenzaun“) wieder ab, da das Verfolgen der Zeilenwechsel damit erschwert wird.

 

Seitenränder

Ich würde empfehlen, bei der Erstellung eines Normseitenformats zunächst alle anderen Dinge nach eigenem Geschmack oder fremden Vorgaben einzustellen, um dann (ja, durch ausprobieren) herauszufinden, wie breit die Seitenränder sein müssen, um die 30 Zeilen mit maximal 60 Zeichen zu erreichen. Natürlich muss man genau umgekehrt vorgehen, wenn man verbindliche Vorgaben für die Seitenränder hat.

Der für die Korrekturen wichtigste Rand ist der rechts vom Text. Hier dürfen es ruhig 6 cm oder mehr sein.

 

Was sonst noch?

Ansonsten hältst du dich mit Formatierungsspielereien am besten weitgehend zurück. Natürlich dürfen Hervorhebungen in Kursivschrift, notfalls auch in fetter Schrift ausgezeichnet sein. Aber das war es auch schon.

Beachte, dass die automatische Silbentrennung ausgeschaltet ist. Außerdem muss die Absatzkontrolle abgeschaltet werden, die sonst dafür sorgt, dass die berühmten Hurenkinder und Schusterjungen nicht passieren. Wie gesagt, der Normseite geht es nicht darum, schön auszusehen, sondern gleichmäßig 30 Zeilen zu produzieren.

Auf jeden Fall gehören Seitenzahlen ins Manuskript. Ob die in der Kopf- oder Fußzeile links, mittig oder rechts stehen, ist aber wieder dir überlassen. Gern in der Form „Seite x von y“.

Ohnehin solltest du die Kopfzeile nutzen, um deinen Namen (evtl. Pseudonym) und den Titel des Werkes dort zu platzieren.

Ich persönlich denke, deine Kontaktdaten müssen nicht unbedingt auf jeder Seite des Manuskripts abrufbar sein, aber es schadet natürlich auch nicht, wenn sie in der Fußzeile aufgeführt sind. Überfrachte aber weder die eine noch die andere Zeile mit Informationen, die man problemlos auch auf einem Deckblatt oder in einem zusätzlichen Schreiben nachschlagen kann.

Um die Kommunikation über das Manuskript zu erleichtern, wird schließlich noch gern die Zeilennummerierung hinzugeschaltet, die dann auch in ausgedruckten Textversionen erhalten bleibt.

Bis zum nächsten Mal
Philipp

 

[1] S. Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Zeilenabstand




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