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Wie geht das mit der Normseite? Teil 1

16. Februar 2017 | Schreibtipps, Selfpublisher | 0 comments | Author:

Wer als Autor*in professionell arbeitet, wird irgendwann mit der Normseite konfrontiert, etwa wenn er oder sie ein Werk ins Lektorat übergeben will. Allerdings reicht es in einem solchen Fall zunächst häufig, zu wissen, dass es sich bei der Normseite um eine Hilfsgröße handelt, mit der man den Umfang des Manuskripts abschätzen kann. Sie dient als Berechnungsgrundlage für das Honorar etwa von Autor*innen, Journalist*innen, Übersetzer*innen und eben Lektor*innen. Unabhängig von der tatsächlichen Formatierung des Werkes lässt sich so der Umfang als vergleichbarer und abrechenbarer Wert in Normseiten angeben.

Ein bisschen Tricksen muss doch erlaubt sein

Nehmen wir also an, du würdest dem Autorendienst ein Manuskript zusenden wollen, da du ein Korrektorat brauchst. Du hast dich für das Standard-Korrektorat zum Seitenpreis von 2,50 Euro entschieden. Weil du clever bist, denkst du, es könne ja nicht schaden, sparsam mit den Seiten umzugehen. Ein bisschen an der Schriftgröße gedreht, die Zeilen ordentlich zusammengeschoben, die Seitenränder erweitert – schon sind aus 200 Standardseiten deiner Textverarbeitung 100 zugegeben etwas leseunfreundlich formatierte Seiten geworden. Aber der Korrektor soll ja auch keinen Spaß haben, sondern arbeiten!

Der blöde Korrektor (das bin wahrscheinlich ich) schickt dir jetzt allerdings ein noch blöderes Angebot zurück, in dem er das Seitenhonorar für 297 Normseiten berechnet. Er hat nämlich einfach seine Textverarbeitung die Anschläge des gesamten Manuskripts zählen lassen und diese durch die durchschnittliche Anzahl der Anschläge einer Normseite dividiert.

Genau darin liegt die Bestimmung der Normseite.

Wie viele Normseiten stecken in meinem Text?

Klassischerweise definiert sich die Normseite als eine Seite, die jeweils maximal 60 Anschläge in 30 Zeilen unterbringt.[1]

Mit Anschlägen sind die Anschläge auf der Schreibmaschinen- bzw. Computertastatur gemeint, mit denen man entweder ein Zeichen oder aber ein Leerzeichen aufs (virtuelle) Papier bringt. Textverarbeitungen zählen hier also die Anzahl der Zeichen inklusive Leerzeichen.

Fälschlicherweise wird oft davon ausgegangen, eine Normseite würde demnach 30 x 60 = 1800 Anschläge umfassen. Diese Berechnungsgrundlage berücksichtigt allerdings nicht, dass eine Normseite durch die fehlende Silbentrennung eine Zeile kaum einmal bis zur maximalen Anzahl von 60 Anschlägen ausreizt. Dazu kommen Absätze und Leerzeilen, die die durchschnittliche Anschlagszahl einer Normseite weiter verringern. So kommt man im Mittel auf etwa 20 Prozent weniger Anschläge pro Normseite, weshalb von der VG Wort vereinfachend die Normseite á 1500 Anschläge festgelegt wurde[2].

An diese Berechnungsgrundlage hält sich auch der Autorendienst. Im Umgang mit anderen Partnern solltest du aber prüfen, welcher Umfang für die Normseite hier zugrunde gelegt wird. Neben den besagten 1800 Anschlägen sind auch 1650 als Mittelwert durchaus üblich.

Nun musst du nur noch die Anzahl der Zeichen inklusive Leerzeichen deines gesamten Manuskripts durch die Berechnungsgrundlage teilen und kommst auf die Anzahl der Normseiten, die dein Korrektor berechnen wird. Wenn du uns beispielsweise ein Manuskript mit einer Gesamtanzahl von 324 597 Zeichen inklusive Leerzeichen schickst, berechnen wir 324 597 : 1500 = 216,4 ≈ 217 Normseiten.

Normseiten formatieren

Zur exakten Berechnung des Honorars ist es demnach nur notwendig, die Anzahl der Anschläge eines Manuskripts zu kennen. Da die Berechnung der Normseiten aus diesem Wert auch nicht weiter problematisch ist, benötigt man auch keine entsprechende Formatierung, um den Umfang eines Werkes in vergleichbarer Weise abschätzen zu können.

Dennoch werden Autor*innen, die ihr Manuskript an Verlage oder Agenturen schicken oder sich damit an einer Ausschreibung beteiligen, oft auf die Anforderung stoßen, das Manuskript in Normseiten zu formatieren.

Wie das geht, werde ich im nächsten Artikel erläutern. Geplant ist außerdem, fertige Vorlagen für verschiedene Textverarbeitungen zur Verfügung zu stellen.

Bis dahin
Philipp

[1] So gilt es in Deutschland, in anderen Staaten gelten oft abweichende Regelungen.
[2] S. http://www.vgwort.de/verguetungen/auszahlungen/wissenschaftliche-publikationen/fach-und-sachbuecher.html




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